İstanbul, görüşürüz!

Ich habs geschafft, ich bin dem Sog der Großstadt entwischt! Seither ziehe ich durch Anatolien, durch das Land, dem İstanbul seine Bewohner abgesaugt und sie verschluckt hat, wie ein schwarzes Loch.

In İstanbul haben mich viele Leute gefragt, wie mir die Stadt gefällt, um mir dann gleich zu erzählen, wie groß und überbevölkert die Stadt doch ist. Vor drei Monaten noch habe ich dann meistens interessiert genickt und mich gefragt, ob sie denn die faszinierende Schönheit und die spannenden Kontraste und die vielen Möglichkeiten nicht erkennen. Inzwischen verstehe ich diese Leute. İstanbul hat mich bis zum Schluss überrascht und auf Trab gehalten und zugleich auch sehr angestrengt. 3 Monate sind bei weitem nicht genug, um sich ein gutes Bild vom Leben in dieser  Metropole zu machen, alles zu entdecken oder einen Bruchteil der Möglichkeiten zu nützen. Ich lasse vieles zurück, das ich gerne noch kennen gelernt hätte, und wahrscheinlich noch viel mehr, das ich nicht einmal ahne. Ich bin eine Woche lang noch und noch einen Tag länger geblieben als geplant, und könnte noch ewig so weiter machen ohne dass mir die Ideen ausgingen… und bin froh, dass ich mich losreißen konnte!

Istanbul steht niemals still. Es gibt immer einen Event, ein Museum, ein Couchsurfingtreffen, einen freundlichen jungen Mann, der eine zum Teetrinken einladen möchte… Die Distanzen sind lang. Mal schnell auf einen Kaffee gehen kann heißen, dass man eine Stunde mit 3 verschiedenen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Natürlich nie alleine. Die Fähre bringt mit einem Mal zig oder hunderte von Menschen über den Bosporus und ein paar Minuten später genau so viele in die andere Richtung. Die meisten haben es irgendwie eilig. Und doch sind diese Meeresüberquerungen für viele eine Gelegenheit zum Atemholen. Meeresluft schnuppern, Möven füttern, einmal wieder die Augen heben und zwischendurch die Stadt genießen. Ist doch schön, wie dort am anderen Ufer die Ayasofya im Abendlicht steht, während wir dem Sonnenuntergang entgegen tuckern. Das vergisst man in der Hektik des ganz normalen Alltages all zu leicht.

Drüben angekommen möchten dann alle Leute in die gleiche Tram, es wuselt wieder ohne Ende. So viele Menschen überall! Je nachdem, wie man zählt, leben zur Zeit etwa 15 bis 20 Millionen Menschen in İstanbul, ca. 20 – 25% der Einwohner der Türkei. Die zweitgrößte Stadt ist Ankara, das mit 8 Millionen beinahe so viele Einwohner hat, wie ganz Österreich. Ankara ist zwar offiziell die Hauptstadt, im Vergleich zu Istanbul aber ein sehr ruhiges Städtchen. Davon konnte ich mir inzwischen selbst einen ganz kleinen Eindruck verschaffen. Meine Freunde und Bekannten haben mir alle davon abgeraten, Ankara zu besuchen, weil es einfach nix gäbe, das interessant sein könnte. Davon wollte ich mich selbst überzeugen, zumal alle Reiserouten an mein nächstes Ziel über Ankara gingen. Ich habe die Gelegenheit genützt um eine kleine Burg und das europäische Museum des Jahres 1997 zu besichtigen und einen netten Abend mit Einheimischen zu verbringen, die lieber in Ankara als in İstanbul wohnen. Für mich ist Ankara vielleicht nicht die Stadt der Träume, aber ich kann gut verstehen, dass es sich dort entspannter Lebt.

Jetzt bin ich wieder unterwegs im Bus, quer durch Anatolien. Gelegentlich tauchen kleine Siedlungen oder sogar Städte draußen auf. Großteils ziehen jedoch unglaublich schöne, weite und vor allem leere Ebenen an mir vorbei. Ich bin schon sehr gespannt, was dieses vielseitige Land, das ich jetzt schon ins Herz geschlossen hat, noch für mich bereit hält.

P.S.: diesen Artikel habe ich wenige Tage nach meiner Abreise aus İstanbul im Bus vorgeschrieben und dann vergessen, online zu stellen. Ich möchte ihn euch natürlich nicht vorenthalten. Dass die Türkei noch einige schöne Erfahrungen für mich vorgesehen hatte, hab ich vielen von euch ja inzwischen persönlich erzählen dürfen. Vielen Dank an meine treuen Leser, die vielen positiven Rückmeldungen und Kommentare! Teşekkür ederim!

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